Handys in der Grundschule – Einführung

Computer und Handy gehören für immer mehr Kinder zum Alltag. Nach der KIM-Studie 2010haben inzwischen 54 Prozent der Mädchen und Jungen zwischen 6 und 13 Jahren – also etwa zwei Drittel – ein eigenes Handy. Und sie bringen die Handys mit in die Schule. Das Thema hat viele Facetten: Die Kontrolle der Kosten, gesundheitliche Aspekte und immer mehr problematische Inhalte auf Kinderhandys bereiten zunehmend Sorgen. Der Bedarf von Lehrern, Eltern und Kindern an Aufklärung und Informationen ist daher groß.

Medienkompetenz fängt in der Grundschule an 

Die Grundschule hat die Aufgabe, in unsere Kultur – und dazu zählen auch moderne technische Kommunikationsmittel – einzuführen. Deshalb muss die Beschäftigung mit Handys und Computern in der Grundschule beginnen. Die Motivation der Schüler ist dabei garantiert. Sie jubeln, wenn Mobiltelefone in den Mittelpunkt des Unterrichts rücken, und es lässt sich in fächerübergreifenden Unterrichtsvorhaben viel dabei lernen.

Kooperation mit den Eltern ist ein Muss

Der Erfolg des Unterrichts hängt auch von der Kooperation der Schule mit den Eltern ab. Denn wenn es um Handyregeln (Wann sind sie wo erlaubt?), Handyverträge (Kosten und Kostenkontrolle), Probleme (Suchtpotenzial, Gewaltvideos, Persönlichkeitsrechte etc.) und Chancen (Lernpotenziale) der Handynutzung geht, werden grundlegende Erziehungsfragen berührt. Die Vor- und Nachteile von Handys in der Schule sollten daher immer auch mit den Eltern thematisiert werden.

Im folgenden Interview äußern sich Schülerinnen und Schüler dazu, wie Handys sie beim Lernen unterstützen und wie sie ein Handyverbot empfinden:

Audio: handy-schule.mp3 (Schüler sprechen sich gegen ein Handyverbot in der Schule aus)

Schon Grundschüler kennen Gewaltvideos

Zwei Prozent der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren haben schon einmal problematische Inhalte auf das Handy geschickt bekommen, das zeigen Umfragewerte der KIM-Studie 2010. Die Kinder berichten von Kaufangeboten, sexuellen Angeboten, Nachrichten von Unbekannten oder von Aufforderungen, teure 0190-Nummern zu wählen.

Selbst mit Gewaltbildern und -videos kommen Grundschüler schon in Kontakt. Die Polizei spricht von einem Problem, das alle Bildungsgrade betrifft.

Solche Filme schildern in wenigen Sekunden brutale Handlungen – von Körperverletzung bis hin zur Vergewaltigung und Hinrichtung. Welche psychischen Folgen das Schauen nicht kindgerechter Filme, Fotos oder Audioaufnahmen haben kann, ist noch weitestgehend unerforscht.

Sensibilisierung für Persönlichkeitsrechte und Straftaten

Kinder und Jugendliche benutzen das Anschauen und Verbreiten brutaler Inhalte oft als Mutprobe. Dabei wissen sie oft gar nicht, dass sie mit der Weitergabe von Gewaltvideos oder heimlich aufgenommenen Fotos gegen Gesetze verstoßen.

Um Kinder vor solchen gefährlichen Inhalten zu schützen, rät die Polizei zur vorbeugenden Beratung und Aufklärung von Eltern und Jugendlichen. Sie hat auf ihrem Internetportal www.polizei-beratung.de Tipps für Lehrer und Eltern zusammengestellt, die zum Download zur Verfügung stehen.

Eine weitere sehr anschauliche Broschüre zu „Gewalt auf Handys“wurde von der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) für Schule, Jugendhilfe und Eltern entwickelt.

Gespräche mit Kindern über die Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch nicht autorisierte Audio-, Video- und Fotoaufnahmen mit dem Handy fördern die Sensibilität für dieses Problemfeld. Sie stärken zudem das Selbstvertrauen von Kindern und Jugendlichen, sich gegen die Belästigung durch Gewaltvideos und ungewünschte Fotoaufnahmen zur Wehr zu setzen.

Audio: gewaltvideos.mp3

Auszug aus einem Unterrichtsgespräch zum Thema „Bloßstellen mit Handyfilmen“

Audio: 800euro.mp3

Ein Vater berichtet von einer Handyrechung über 800 Euro

(Dieses Interview kann als Einstieg in eine Diskussion über den wirkungsvollen Schutz der Kinder vor Übergriffen dienen)

Alle rechtlichen Hintergründe können sowohl bei der Polizei als auch im Themenkomplex „Recht und digitale Medien“ von Lehrer-Online nachgelesen werden. Dort werden umfangreiche Informationen zu illegalen Inhalten auf Digitalgeräten von Schülern zur Verfügung gestellt.