Schulprojekt Mobilfunk
09. September 2010
     
 

Generation Mobilfunk - Grundregeln für mobile Kommunikation lernen

Interview mit Dagmar Wiebusch, Geschäftsführerin Informationszentrum Mobilfunk e.V. (IZMF), zum erweiterten Angebot des Schulprojekts Mobilfunk
Berlin | 16.01.2008

Das Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) hat das Online-Angebot seines Schulprojekts Mobilfunk erweitert. Seit dem Jahr 2004 bietet das Schulprojekt Lehrerinnen und Lehrern Unterrichtsmaterialien zum Thema Mobilfunk. Neu sind unter anderem das Materialangebot für Grundschulen sowie die erweiterten Fortbildungsmöglichkeiten für Pädagogen. Schulen können jetzt individuell gestaltete Veranstaltungen zum Thema Mobilfunk bei sich vor Ort durchführen lassen.

Frau Wiebusch, im Jahr 2006 hat Bayern ein Handyverbot an Schulen ausgesprochen, nachdem Gewaltvideos auf Schülerhandys entdeckt worden waren. Wie passen das Handyverbot an Schulen und das Schulprojekt Mobilfunk zusammen?
Dagmar Wiebusch: Das Handyverbot ist nicht der richtige Weg, um das Problem mit Gewaltvideos zu lösen. Diese Meinung teilen viele Experten. Mittlerweile besitzen neun von zehn Jugendlichen ein eigenes Mobiltelefon ? es ist ein Teil der Lebenswirklichkeit der heutigen ?Generation Mobilfunk?. Diese Realität kann man nicht ausblenden. Sinnvoller ist es, einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie zu fördern. Mit dem Schulprojekt Mobilfunk wollen wir dazu einen Beitrag leisten und stellen Lehrerinnen und Lehrern Material zur Verfügung, mit dem sie das Thema Mobilfunk abgestimmt auf die Rahmenpläne in den Unterricht integrieren können.

Was hat das IZMF veranlasst, das Schulprojekt Mobilfunk ins Leben zu rufen?
Dagmar Wiebusch: Im Unterricht kam und kommt das Thema Mobilfunk kaum vor. Dabei wird das Handy von Kindern und Jugendlichen massenhaft genutzt. Was ihnen aber vielfach fehlt, ist Medienkompetenz. Gerade die Debatte um Gewaltvideos zeigt, dass Jugendliche lernen müssen, mit den weit reichenden technischen Möglichkeiten des Handys verantwortlich umzugehen. Medienkompetenz ist beim Handy genauso wie beim Computer oder beim Fernsehen der Schlüssel zur Lösung vieler der aktuell diskutierten Probleme. Mit dem Schulprojekt Mobilfunk geben wir Lehrerinnen und Lehrer vielfältige Anregungen, wie sie in Fächern wie Deutsch, Mathematik, Physik, Biologie, Kunst, Sachkunde oder Gesellschaftskunde spannende Anknüpfungspunkte zur Vermittlung von Medienkompetenz finden können.

Wie nehmen die Pädagogen das Projekt an?
Dagmar Wiebusch: Wir haben bisher viele positive Rückmeldungen bekommen. Die meisten Lehrkräfte schätzen das breite Themenspektrum unserer Unterrichtsmaterialien, zum Beispiel Mediennutzung, Verbraucherrecht oder Umweltschutz. Diese Themen lassen sich am Handy praxisnah und für Heranwachsende nachvollziehbar erklären. Auch unsere Lehrerfortbildungen, die wir gemeinsam mit unseren medienpädagogischen Partnern durchgeführt haben, sind bei den Teilnehmern sehr gut angekommen. So gut, dass wir das Angebot jetzt ausgeweitet haben.

Was bieten Sie zusätzlich an?
Dagmar Wiebusch: Lehrerinnen und Lehrer haben die Möglichkeit, Fortbildungsangebote zum Thema Mobilfunk bei uns anzufordern. Sie können sich ein Seminarprogramm aus Fachvorträgen und Workshops zusammenstellen, das auf das Informationsbedürfnis ihrer Schule zugeschnitten ist. Die Referentinnen und Referenten kommen für die Veranstaltung an die jeweilige Schule. Denn die Lehrkräfte wissen selbst am besten, welche Informationslücken im Kollegium und in der Schule geschlossen werden müssen. Sie können aus unserem Seminarangebot die Elemente wählen, die am besten zu ihnen passen. Bei den Fortbildungen arbeiten wir mit unabhängigen Experten aus unterschiedlichen Bildungsinstitutionen zusammen. Damit gewährleisten wir hohe fachliche Qualität. Wer Einzelheiten über die Fachvorträge und Workshops erfahren möchte, findet detaillierte Informationen zu dem Angebot auf der Internetseite des Schulprojekts: www.schulprojekt-mobilfunk.de.

Fallen Kosten für die Veranstaltungen an?
Dagmar Wiebusch: Nein, die Fortbildungen sind kostenlos. Das Angebot gilt deutschlandweit für alle Schulen. Auch die Unterrichtsmaterialien, die wir im Rahmen des Schulprojekts anbieten, sind gratis erhältlich. Alle Hefte lassen sich direkt als PDF herunterladen. Alternativ schicken wir die Unterrichtshefte auch per Post an die Schulen.

Haben Sie auch das Angebot an Schulmaterialien erweitert?
Dagmar Wiebusch: Ja, wir bieten auf unserer Internetseite www.schulprojekt-mobilfunk.de jetzt auch Materialien für einen Handyführerschein für Grundschulkinder an. Um den zu bekommen, erlernen die Schülerinnen und Schüler in sechs Unterrichtseinheiten unter anderem, wie man ein Handy bedient, an welchen Orten die Benutzung verboten ist und welche Kosten bei der Mobilfunknutzung anfallen. Die Lektionen sind fächerübergreifend und integrieren Elemente aus dem Sachunterricht, Deutsch, Mathematik und Kunst. Am Ende des Projektes haben die Kinder erste Vorstellungen über die Einsatzmöglichkeiten, aber auch über die Risiken von Mobilfunk und sind in der Lage, selbständig Entscheidungen über den Einsatz zu treffen.

Ist es nicht sehr früh, das Thema Handy schon in der Grundschule anzugehen?
Dagmar Wiebusch: Jedes vierte Kind im Alter von acht bis neun Jahren hat ein eigenes Mobiltelefon und mehr als die Hälfte der Zehn- bis Elfjährigen besitzt ein Gerät. Es ist deshalb sinnvoll, schon in der Grundschule die Grundregeln für den Umgang mit Mobiltelefonen vermitteln.




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